In Memoriam

   
SHG-AE901
5.08.1988 - 19.12.2001

          Am 19. Dezember 2001 gegen neun Uhr fünfzehn wurde mein geliebtes Auto nach einem langen und bewegten Leben endgültig außer Dienst gestellt. Nach mehr als 93000 zusammen durchlebten Kilometern war es schließlich massiver Unterbodenrost, der dem treuen Gefährt am 23. November 2001 ein abermaliges Bestehen der Tüvprüfung verwehrte. Mit einer Gesamtlaufleistung von 248625 Kilometern war seine Aufgabe auf dieser Welt erfüllt, und es wird von nun an auf dem Gelände einer Aachener Autoverwertung als langsam dahinrottendes Ersatzteillager dienen.
Mir bleiben die Erinnerung an acht erlebnisreiche Jahre sowie die Nummernschilder, die sicherlich einen Ehrenplatz erhalten werden. Diese Seite soll meinem langjährigen Gefährten gewidmet sein.

          Die Geschichte dieses ehrwürdigen Vehikels begann am 5. August 1988, als es in Hannover auf das amtliche Kennzeichen H - RS 674 zugelassen wurde. Eigentümerin war damals Renate S., die den Wagen gerade mal ein Jahr lang fuhr, bevor sie ihn an Swen B. aus Barsinghausen verkaufte. Dieser nutzte ihn in den folgenden vier Jahren als H - H 9067 und trat ihn alsdann an das Autohaus Gustorf in Barsinghausen ab. Dort stand der treue Geselle und wartete, daß ein weiterer Fahrer ihn erwerben würde, um viele weitere Abenteuer mit ihm zu erleben...

Und tatsächlich - im September 1993 war es soweit: Ich erwarb das gute Stück, und eine langjährige Freundschaft begann!
Die Hauptaufgabe meines neuen Transportmittels bestand zunächst darin, mich zur Arbeit zu befördern - ich war seinerzeit Azubi im Katasteramt Hameln, und so fiel täglich eine Strecke von 57 Kilometern an, die mein Auto ohne zu murren meisterte - nicht ein einziges Mal kam ich seinetwegen zu spät! Auch die wöchentlichen Fahrten zur Berufsschule stellten keinerlei Problem dar - selbst dann nicht, wenn ich mich entschloß, über den Nienstädter Paß zurückzufahren, weil auf der B 65 mal wieder Stau war. Ach, nie werde ich die wütenden Gesichter der Fahrer hinter mir vergessen, wenn die Steigung am Paß uns auf knappe 50 km/h herunterbremste und mal wieder keine Überholmöglichkeit vorhanden war. :-)

          Unvergessen bleiben wird mir der Freitagnachmittag im März 1994, als ich zu einem wichtigen Termin mußte und direkt nach der Arbeit von Hameln aus nach Rinteln fuhr. Da ich es vorab versäumt hatte, mich zu rasieren, nutzte ich eine Wasserflasche und den Innenspiegel und vollführte auf einem Feldweg an der Weser bei herrlichstem Sonnenschein eine im-Auto-Naßrasur. Glücklicherweise hatte ich genügend Taschentücher mit, um die zahlreichen Wunden zu versorgen...

          Auto innenIm Wintersemester 1995 begann ich zu studieren, und auch hier war mein Auto mit dabei. Während dreier Schlußübungen diente es in Helstorf, Barbis und Meppen als Einsatzfahrzeug und transportierte allerlei Vermessungsgerätschaften, diente als Unterschlupf bei spontanen Regengüssen und meisterte noch die schlammigsten Pisten im Südharz.

          Tragisch endete der Morgen des 8. Januar 1996. Auf dem Weg nach Hannover erwischte uns Blitzeis auf der Rodenberger Umgehungsstraße. Eine spektakuläre Pirouette später fanden ein junger Baum, der linke vordere Kotflügel, der Blinker vorn links, die vordere Stoßstange samt Nummernschild sowie ein Reifen ein jähes und schmerzvolles Ende. Ich entstieg meinem lädierten Vehikel unverletzt, hatte jedoch mit den Folgen zu kämpfen - die Instandsetzung des Autos kostete gut 1000 Mark, und - man lese und staune - ganze elf Monate später, kurz vor Weihnachten, schickte mir die Samtgemeinde Rodenberg eine Rechnung für den Baum! Gut 900 Mark kostet anscheinend so ein mickriges Pflänzchen. Bürger der Samtgemeinde - jetzt wißt Ihr, wo Eure Abgaben bleiben!

          Doch das Jahr 1996 hielt noch mehr Übel für mein Auto bereit: Am Abend des 15. Oktober parkte ich es an der Nienburger Straße in Hannover, um mir im Unikino "Jumanji" anzuschauen. Als ich nach Hause fahren wollte, ereilte mich eine üble Überraschung: Ein gehirnloser Vollidiot hatte mir zwei Scheiben - Heckscheibe und linkes Seitenfenster - eingeschlagen. Selbstverständlich wurde dieses Schwein nie gefaßt, und mir blieb nichts übrig, als meine Scheiben durch Ersatzteile vom Schrottplatz zu ersetzen. Da keimt ganz leise der Gedanke auf, daß es vielleicht doch verkehrt war, die Prügelstrafe abzuschaffen...

          Im Juni 1998 folgte das nächste unangenehme Erlebnis: An einem sonnigen Abend war ich auf dem Weg zum Haster Bahnhof und mußte in Kreuzriehe hinter einem Linksabbieger halten - dummerweise in Höhe einer von rechts einmündenden Straße, aus der ein älterer Herr gebogen kam. Dieser alte Knabe richtete seinen Blick beim Abbiegen strikt nach links, um den Verkehr in der Richtung zu beobachten, aus der auch ich gekommen war. Nach mir kam nichts mehr, also bog er ab, rollte geradewegs in meine rechte Seite und verpaßte dem Kotflügel hinten rechts eine beachtliche Delle. Nun ja, der erste Ärger verflog, und die Versicherung erledigte den Rest, aber ein Eindruck blieb zurück - dieser Bursche war definitiv nicht mehr fit genug, um am Straßenverkehr teilzunehmen. Wer nicht merkt, daß quer vor ihm ein Auto steht, der hat am Steuer eines Autos nichts verloren - ich hätte auch ein Kleinkind sein können, das da über die Straße lief.

          Viele weitere Geschichten könnte ich erzählen. Mein Auto bewältigte einen kompletten Umzug, kroch mit Sommerreifen und Schneeketten im Dezember den Harz hinauf und durfte sogar mal über die Köhlbrandbrücke in Hamburg fahren - nur um einige Kilometer im Zollhafen von einer Dame mit Pistole angehalten zu werden.

Das letzte Foto          Am 23. November 2001 schließlich erfolgte der Todesstoß durch einen Aachener Dekra-Mitarbeiter, der meinem Auto einen porösen Unterboden attestierte und damit sein Schicksal besiegelte. Schweren Herzens nahm ich Abschied und fuhr am Morgen des 19. Dezember schließlich zum Schrottplatz, wo ich nach acht Jahren, drei Monaten und siebzehn Tagen meinen treuen Gefährten seinem Schicksal überließ...

          Für alle Verschwörungstheoretiker unter Euch noch eine Gänsehaut-Geschichte in diesem Zusammenhang:
Ich hatte mir an jenem traurigen Morgen mein Fahrrad ins Auto gepackt und wollte vom Schrottplatz zurückradeln. Als ich aufs Rad stieg, stellte ich jedoch fest, daß - was bei diesem Rad wirklich noch nie passiert ist - ohne erfindlichen Grund die Kette vom Zahnrad gerutscht war.

Und ich sage Euch, das war das Auto!


Der Nachfolger           Nach gut eineinhalb Jahren ohne Auto und unzähligen frustrierenden Erlebnissen mit der Deutschen Bahn war es Mitte 2003 schließlich an der Zeit, sich nach einem Nachfolger umzuschauen. Die Wahl fiel - wie könnte es anders sein - abermals auf einen Fiesta - ein Exemplar der seit 2002 erhältlichen, nunmehr fünften Generation. Wie es der Zufall wollte, wurde dieser auf den Tag genau fünfzehn Jahre nach seinem Vorgänger erstmals amtlich zugelassen - am 5. August 2003.

Ich betrachte das als Omen und hoffe, daß auch dieses muntere Vehikel ein ähnlich langes Leben vor sich hat wie das, auf das sein Vorgänger zurückblicken konnte. Mögen ihm Kratzer und Beulen erspart bleiben. ;-)