Der Erstsemester-Leitfaden 1997 erschien am achten Oktober zur Ersi-Einführung in etwas ungewohnter Form. Ich meine jetzt nicht die ulkige lila Farbe, die war schon beabsichtigt! Nein, es fehlten zu Gänze Cartoons und Verzierungen, die Seite fünf war sogar ganz leer und konnte somit für eigene Notizen genutzt werden, und auf der Titelseite prangte unsinnigerweise eine Seitenzahl. Schuld hieran sind zwei Dinge: Der AStA und ich.
Die eigentliche Druckvorlage wurde an einem Freitagmittag erstellt, im Wesentlichen von Stefan, Andrea und mir. Da die Zeit eigentlich schon ein wenig drängte, wollten wir das ganze noch an jenem Nachmittag zum AStA-Druck geben, nur war dort zu diesem Zeitpunkt schon keiner mehr da, so daß ich die Vorlage mit nach Hause nahm, einen Beipackzettel erstellte, alles eintütete und noch am selben Tag zum AStA schickte - mit der Post, der gelben.
Anfang Oktober erkundigte ich mich bei Frau Weis nach der Stärke des kommenden ersten Semesters und rief daher ZUFÄLLIG noch mal beim AStA an, um die Auflage ein wenig zu drosseln. Und da stellte ich fest, daß die Jungs nie im Leben auch nur von unserem Leitfaden gehört hatten, geschweige denn ihn bekommen! Persönliches Suchen in der Druckerei und auch entsetzliche Flüche halfen nichts, das Ding war weg, verschollen, futsch, nicht mehr da.
Nun hieß es handeln: Ich stürzte in den Saloon, warf den Rechner an und druckte das Dingen noch mal aus, kleisterte notdürftig die Nummern in die Übersichtskarte und brachte den Stapel Papier höchstpersönlich in die plakatierten Katakomben, wo ich sie vertrauensvoll dem zuständigen Druckereibeauftragten übergab und aus Leibeskräften betete, diesmal möge alles klappen, denn die Ersi-Einführung war nicht mehr fern...
Und tatsächlich, am 6. war das Ding endlich da, fertig gedruckt und herrlich lila. Nur die Cartoons, die fehlten eben, denn die hätte ich auf die Schnelle nicht noch mal mit 'reinbatschen können. Egal, Hauptsache überhaupt ein Leitfaden! Meine Haut war gerettet, die Ersis konnten kommen.
Es blieb ein Nachspiel. Hatte ich zunächst gemutmaßt, mein sorgsam beschrifteter und korrekt adressierter Umschlag wäre auf dem Postweg verlorengegangen, so mußte ich mich im Nachhinein eines Besseren belehren lassen, denn die Post traf keine Schuld: Statt dessen mußte ich auf das System der Postverteilung im AStA fluchen, denn die Druckvorlage war tatsächlich dort angekommen und landete letzten Endes - warum auch immer - in UNSEREM Fachschaftsbriefkasten. Wer sich jemals den Postverteilerschrank im AStA-Büro angeschaut hat, den wundert das kaum, denn der sieht buchstäblich so aus, als hätte dort eine Bombe eingeschlagen! Ich möchte nicht wissen, was in dem Ding noch so alles schlummert und seit ewigen Zeiten auf seine Zustellung wartet...
Lars, Leitfaden-Setzer