8. Tag: Ventura Beach - Los Angeles


Alexander's war der klangvolle Name des Hauses, in dem wir unser kostspieliges Abendbrot eingenommen hatten, und auch zum Frühstück begaben wir uns in dieses Etablissement, stellten allerdings fest, daß dies hier das dürftigste Frühstücksbuffet der gesamten Reise war. Es kostete mehr als doppelt so viel wie in Las Vegas und war so reichhaltig, daß man es in einer Besenkammer hätte aufbauen können.
Sei's drum, die Tante mit der Rechnung schaute zwar ob des fehlenden Trinkgeldes böse aus der Wäsche, aber die Wahrscheinlichkeit, daß wir noch mal auf ihre Dienste angewiesen sind, ist ja äußerst gering.

Um acht Uhr dreißig brachen wir auf zum letzten Teil der Rundreise, der uns nach Los Angeles führen sollte. Des Tages erste Attraktion waren ein paar Aufbauten und Gestalten am Strand von Malibu, die wir aus der Ferne sahen und die offenbar zum Baywatch-Set gehörten. Ich schoß ein Foto und warf es später an die Leinwand, in der Hoffnung, man könnte jemanden darauf erkennen. Und tatsächlich, wenn man das Bild formatfüllend an der Wand hat, sieht man eine Gestalt im Badeanzug - fast so groß wie ein Legomännchen!

Santa Monica PlaceUnser erster Stop war beim 'Santa Monica Place', einer Einkaufspassage in Santa Monica. Wir ahnten an dieser Stelle nicht, daß wir in den folgenden Tagen mehrfach wieder hierher kommen würden, fanden aber bereits jetzt Gefallen an der Passage, die sehr interessant gestaltet war und vor allem eine Vielzahl von kulinarischen Alternativen bot. Mir genügte an dieser Stelle ein Becher Kaffee vom Burger King (die uninteressanteste Alternative), mit dem ich mich während der Fahrt durch die westlichen Ausläufer von Los Angeles näher befaßte, da er so vollgefüllt war, daß ich ihn nur mit einem Handtuch zu trinken wagte! So hantierte ich mit Kaffeebecher, Kamera und Handtuch herum und geriet stellenweise in argen Streß, da die Sehenswürdigkeiten ja nicht weniger wurden!

Jack was here Vor genau 24 Jahren war Jack hier!
(c) Großfamilie B.
Über den Wilshire Boulevard, Beverly Hills mitsamt Rodeo Drive und schließlich den Sunset Boulevard (dessen Nummer 77 gar nicht Nummer 77 war!) erreichten wir Hollywood und machten Halt am Mann's Chinese Theater. Zwanzig Minuten blieben mir, die Hand- und Fußabdrücke zu begutachten und die Straße hinunterzurennen, um diverse Sterne zu fotografieren. Das Schwierige an der ganzen Geschichte war, daß wir natürlich nicht alleine an diesem Ort des Ruhmes weilten und von daher arge Probleme hatten, die Fotos frei von Passanten zu halten, die ständig herumliefen und prüften, ob sie nun größere Hände hatten als Humphrey Bogart oder kleinere. - Was könnte man doch auf Touristen schimpfen, wäre man nicht selbst einer!

Universal StudiosEinen letzten Fakultativausflug sollte es noch geben, und auch den ließen wir nicht aus: Gegen Mittag betraten wir die Universal Studios in Hollywood.
Hier hat man einen Freizeitpark vor sich, der natürlich weit weniger wegen seiner Fahrgeschäfte besucht wird (Eine Loopingbahn sucht man vergeblich, in dem Fall empfehle ich den Heidepark...) als vielmehr wegen der Studios, von denen man auf der sehr ausführlichen Tour sehr viel zu sehen bekommt; das Hotel aus 'Psycho', das Häuschen der Flintstones und das von Matlock (die sind fast Nachbarn, wußte ich gar nicht!), diverse Straßenzüge und nicht zuletzt natürlich das Rathaus aus 'Zurück in die Zukunft' (momentan in der Duplo-Werbung zu sehen)!
Wir hatten das Glück, daß unser Reiseleiter eine deutschsprachige Führung an Land zog, womit er mir das leidige Übersetzen ersparte. Das Mädel machte das echt gut und fuhr mit uns über eine einstürzende Brücke, an King Kong vorbei und durch einen rotierenden Vulkanschlot, bei dem einem schon mal der Gleichgewichtssinn einen Streich spielt!
Man merkt während der Tour übrigens sehr stark, daß ständig in den Studios gearbeitet wird; neben der Hill Valley Rathausuhr (die ulkigerweise nicht auf 22:04 stand) klaffte eine Lücke in der Fassade, und in den Straßenzügen standen Hubwagen, von denen aus die Fassaden der umliegenden "Häuser" gerade umgestaltet wurden. Alle Nase lang kurvte ein Laster an uns vorbei, unter anderem mit Holz beladen, aus dem wieder andere Kulissen entstehen sollten. Einzig Schauspieler bekamen wir natürlich nicht zu Gesicht, und selbst der weiße Hai war gerade auf Urlaub - oder in Reparatur?

Delorean Das Original!!! Nach Ende der Rundfahrt stand uns der Nachmittag zur Verfügung, um den Park zu erkunden. Alle Attraktionen hatten irgendwie mit Filmen zu tun, und da ich ein absoluter Zurück in die Zukunft-Fan bin, war ich hier natürlich genau richtig und reihte mich mit meinem Vater in die längeste Warteschlange seit der Maueröffnung, um im 'Back to the Future-Ride' Biff Tannen fliegenderweise das Handwerk zu legen. Nun habe ich schon viele Simulatoren erlebt, doch war dieser hier wirklich der genialste: Da nimmt man nun Platz in einem acht-Personen-Delorean, das Licht geht aus, Nebel wallt, und der gesamte Raum um einen herum wird zur Leinwand. Vibrationen und Gedröhne, dann ist man auch schon in der Luft und jagt Biffs Ford hinterher, durch Raum und Zeit und natürlich durch die Rathausuhr, die unter enormem Getöse in tausend Stücke zerspringt und das ganze Gefährt unglaublich durchschüttelt. Da tun einem doch schon mal die Knochen weh, wenn man aussteigt, aber es lohnt sich!
(Wer generell auf solche Sachen kann, sollte - quasi als Vorstufe - mal nach Bottrop fahren und in Warners Movie World Batman besuchen gehen!)

Der stand da so rum...Wo ich gerade beim Durchschütteln war: Man hört ja ständig von Prozessen, die in den USA geführt werden und in denen es um unglaubliche Schadenersatzansprüche geht, weil wieder irgendjemand nicht in die Gebrauchsanweisung geschrieben hat, daß man seinen Dackel gar nicht in der Mikrowelle trocknen darf! Es gab während der ganzen Reise immer wieder Punkte, an denen man merkte, wie vorsichtig die Leute wegen dieser Prozesse geworden sind. Überall stehen Hinweisschilder, die voll sind mit Sachen, die einem passieren können. Gerade bei diesen Fahrgeschäften wurde man also deutlichst darauf hingewiesen, daß man alle erdenklichen Arten von Schäden mit nach Hause nehmen könnte, wenn man sich darauf einließe. Was nun den hydraulischen Simulator bei Back to the Future angeht, so kann man sich da sehr wohl ein paar leichtere Beulen holen, sofern man außen sitzt. (Dieses Glück hatte Vattern...) Allerdings erwarteten wir deshalb auch wer weiß was für spektakuläre Dinge bei E.T., vor dessen Eingang nicht minder deutliche Schilder standen. Hier konnte aber bloß jemand Schaden nehmen, der den Anblick von Plastikaliens nicht erträgt oder der es nicht haben kann, im Rollstuhltempo durch die Gegend kutschiert zu werden.
Hiernach maß ich diesen Schildern nun wieder keine große Bedeutung bei, und da vor der 'Backdraft'-Show darauf hingewiesen wurde, daß man hierbei praktisch gegrillt würde, begab ich mich ohne große Hoffnungen in die Halle...

Jurassic Park-Münze ...und erlebte die heißesten zehn Minuten meines Lebens!!! Das war echt kriminell - hier veranstaltete man ein Feuerwerk, bei dem ich mich ständig fragte, ob das alles so gewollt war oder gerade außer Kontrolle geriet. Überall brannte es, eine Explosion folgte der anderen, Funken sprühten durch die Luft, und mir wurde ziemlich warm!

Was blieb? Abkühlen! Da hätte es sich angeboten, den Jurassic-Park-Ride zu benützen. Alle Leute, die uns von dort entgegenkamen, waren jedenfalls klatschnaß, denn der Ride war nichts anderes als eine ziemlich fiese Wildwasserbahn mit Dinosauriern. Hier war mir aber nun wirklich die Warteschlange zu lang, und ich beschränkte mich darauf, das Spektakel zu beobachten. Die platte Münze zur Rechten ist also gelogen, ich habe sie auf dem Boden gefunden...

Waterworld und Blues Brothers Aaaaber es gab noch mehr Möglichkeiten, naß zu werden oder zumindest anderen dabei zuzusehen! Ebenfalls aus dem Hause Universal stammte nämlich seinerzeit der Streifen Waterworld. Über diese Werk läßt sich vortrefflich streiten, aber über die Stuntshow, die man hier veranstaltete, gab es nix zu diskutieren! Prügeleien und Schießereien, Jetskistunts und Explosionen reihten sich hier effektvoll aneinander, gekrönt mit dem Schlußstunt, bei dem man ein fast lebensgroßes Styroporflugzeug durch die Arena fliegen ließ, das dann knapp vor den Zuschauern wasserte und selbige ordentlich durchnäßte.

Nach einem kurzen Imbiß und dem Durchstöbern einiger Souvenirshops blieb uns noch eine Show, bevor uns um sechs der Bus vor dem Ausgang abholte: Blues Brothers 2000. Ich muß ja gestehen, daß ich den Film bis heute nicht gesehen habe, aber die Show war so oder so spitze, und selbst die Blues Bratze holte man auf die Bühne (siehe Bild).
Allein zu diesem Film gab es einen eigenen Giftshop, in dem man alles rund um die Blues Brothers kaufen konnte, selbst Filzhüte! Mein Bedarf an Hüten war jedoch gedeckt, und so fiel meine Wahl auf eine Tasse mit dem BB2000-Logo, aus der ich seither mit Freuden meinen Tee schlürfe. Ich ärgere mich nur, daß ich nicht gleich mehrere genommen habe, denn knapp acht Mark für einen solchen Eimer (rund 0,4 Liter gehen rein!) ist echt nicht viel.
Falls also jemand in die Gegend kommen sollte, möge er mir noch einen mitbringen! ;-)


Jetzt habe ich es doch nicht geschafft, alle Bilder unterzubringen! Es fehlen noch zwei recht unterschiedliche Begegnungen mit diversen Damen, die dort im Park herumliefen:
(Insbesondere der mit dem Hut war ich absolut nicht gewachsen...)
Gefährliche Frauen!!!

Hollywood-LetternDer Bus wartete schon am Ausgang, und nicht ohne gemischte Gefühle fuhren wir dem Ende der Rundreise entgegen. Als letzte Sehenswürdigkeit hatten wir ungefähr zehn Sekunden lang Sichtkontakt mit den legendären HOLLYWOOD-Lettern in den Hügeln, was für genau zwei Fotos reichte.
Gegen neunzehn Uhr erreichten wir unseren letzten Stop, das L. A. Hilton&Towers, in dem wir noch drei Tage lang bleiben sollten. Obwohl wir mit den meisten anderen Reiseteilnehmern nicht viel zu tun gehabt hatten, war es doch ein seltsames Gefühl, von jetzt an auf uns allein gestellt zu sein. Der Abschied von der anderen Großfamilie fiel natürlich umso ausführlicher aus, und zuletzt verabschiedeten wir uns von Volker, unserem unbezahlbaren Reiseleiter. Zu allem Übel zog ich - und das stellte ich erst hinterher fest - die falsche Note aus der Hosentasche, so daß er viel zuwenig Trinkgeld erhielt. Ein weiteres Mal hatte mir die Dollarwühlerei einen Streich gespielt...

Ende der Rundreise

Nun denn, Lust hatten wir keine, aber wir mußten wohl weiterhin unseren Urlaub genießen. Mit einem Seufzer blickten wir dem Bus hinterher und gingen ins Foyer des Hilton, um einzuchecken. Unser Zimmer lag im achten Stock (zu deutsch: Klimaanlage) und gestattete uns den Ausblick auf den Pool sowie eine Startbahn des LAX, auf der alle paar Minuten Frachtmaschinen abhoben.
Hier saßen wir also, und der Gedanke, ausgerechnet in L. A. den Urlaub zu verlängern, kam uns auf einmal unglaublich blöde vor. Es half nichts, die nächste Reisegruppe war bereits wieder in Las Vegas und hätte uns sowieso nicht mitgenommen, wir mußten uns also mit unserer Lage arrangieren, und das hieß in diesem konkreten Fall 'Eßbares besorgen'!

Die Gegend um den Flughafen ist voll von Hotels und Ausfallstraßen, und das, was es am wenigsten gibt, sind Supermärkte. Wir machten einen Fastfoodschuppen neben einer Bar ('The nudest nudes' oder so...) ausfindig und fielen schließlich über eine Tankstelle her, in der uns ein freundlicher Latino zu Pringels, Plunderstücken, Croissants und Instantkaffee verhalf.


Sowohl der Schnellimbiß als auch die Bar sind im Film 'Stadt der Engel' mit Nicolas Cage und Meg Ryan zu sehen! In der zweiten Hälfte des Films wird Nicolas Cage verprügelt und ausgeraubt und steht dann trostlos im Regen, bis ihn ein Trucker mitnimmt. Jenes wurde exakt an der Stelle gedreht, an der wir uns jetzt befanden.
Dies fand ich allerdings erst ein halbes Jahr nach der Reise heraus, da der Film im Juni gerade in die amerikanischen Kinos kam.

Außerdem verlangte man nach Flüssigem, und so verließen wir außerdem mit einer 18erpackung Budweiser-Dosen den Laden, sorgsam und blickdicht verpackt, wie es hier Sitte ist. Mit dieser kostbaren Fracht vollzogen wir unser Abendessen im Burgerladen und fühlten uns mit unseren randvollen Plastetüten ständig beobachtet. Vollkommen eingeschüchtert verdrückten wir auf unser Zimmer und dösten mit Bud und Pringels der Dämmerung entgegen. Einzig der letzte Hinweis des Reiseleiters spukte uns im Schädel herum: Der Busbahnhof!
Wir beschlossen, am folgenden Tag erst mal auszuschlafen und dann mit dem Bus irgendwohin zu fahren, vielleicht ja nach Santa Monica, da war es doch ganz hübsch...

Die Route dieses Tages:
Route Ventura - L. A.


18. Juni: Santa Monica