Zum zweiten Mal bestand unser Frühstück aus billigen Backwaren und Kaffee aus der Hotelzimmermaschine, und wieder konnte diese Art der Beköstigung keine Begeisterungsstürme hervorrufen. Umso leichter fiel es uns, das Hotel zu verlassen und uns auf den Weg zum Busbahnhof zu machen. Bei herrlichstem Sonnenschein strolchten wir um den Hotelkomplex herum und schafften es, ihn einmal komplett zu umrunden, bevor uns tatsächlich jemand sagen konnte, wo wir langlaufen mußten! Zu unserer Verteidigung sei aber angemerkt, daß in diesem Winkel der Stadt wirklich eine Straße aussieht wie die andere und daß an einem solchen Vormittag äußerst wenig Menschen unterwegs sind, die man fragen könnte.
Der Busbahnhof liegt vielleicht zehn Minuten vom Hotel entfernt und besteht aus einem Ziegeldach mit ein paar Schildern. Recht bald hatten wir das richtige gefunden und warteten auf den Big Blue Bus der Linie 3, die über Santa Monica zur UCLA fährt.
Und wieder einmal konnte man uns verblüffen, denn der Fahrpreis für die Strecke LAX - Santa Monica war weit von unseren Erwartungen entfernt: 50 Cent pro Person! Wenn ich hierzulande mit 90 Pfennig in der Hand einen Bus betrete, wird man mich wohl gnadenlos auslachen, aber dort transportierte man uns für eben diesen Betrag ungefähr 25 Kilometer weit.
Die Fahrt durch L. A. beziehungsweise seine Vororte ist schon ziemlich spannend, denn man sieht - viel besser als vom Reisebus aus - viel vom alltäglichen Leben in dieser Stadt. So fand ich es insbesondere interessant, wie viele ulkige Geschäfte und Läden es gibt - so fand sich an der Straße beispielsweise ein Restaurant mit dem Namen 'Wienerschnitzel'...
Bevor wir die Füße allerdings in den Pazifik tunken durften, wollte der Strand überquert werden, und solches ist im allgemeinen mit Schuhen kein Vergnügen. Also raus aus den Dingern, losgewatet und aufgeschrien, denn das Zeug war irrsinnig heiß! Da war es sogar eine willkommene Abwechslung, in die siffige Lokushütte zu latschen, denn die war zwar obereklig, aber zumindest etwas schattig...
Man denkt ja immer, wir Deutschen wären Weltmeister im Aufstellen von Schildern für und gegen alles Mögliche (Sowas Feines wie Das Spielen der Kinder in den Waschräumen ist verboten kann nur teutonischen Ursprungs sein!), doch fanden sich hier tatsächlich Sachen, die ich noch auf keinem deutschen Schild gelesen habe! Ein Verbot von Glasflaschen ist wohl sinnig, auch vieles andere auf der ellenlangen Liste, die den Strand zierte, war nachvollziehbar, doch gab mir die Klausel 'Do not dress or undress!' zu denken - ausgerechnet im Land der unbegrenzten Oberweiten ist das Zurschaustellen derselben in der Öffentlichkeit verboten?!? Schweinerei sowas...
Nun denn, der Pazifik brachte Abkühlung für die erhitzten Treter, und obendrein brachte er mir ein zweites Mal eine nasse Hose ein, was mich aber wegen der Hitze nicht großartig verärgern konnte.
Quelle: PierCam, 16. Juli 1998, 14:34 Uhr Ortszeit
Die erstbeste Einkaufspassage war die unsere, und wir hielten Ausschau nach Kulinarischem. Doch seltsam, irgendwas war hier nicht so, wie es hätte sein sollen! Des Rätsels Lösung: Wir waren hier gestern erst gewesen, denn
das hier war abermals der Santa Monica Place, nur daß wir diesmal den Hintereingang benutzt hatten!
Um so besser, auf diese Weise steuerten wir zielbewußt die Restaurants und Buden im vorderen Teil der Passage an und fanden für jeden von uns die korrekte Gaumenfreude, sei es ein halber Hahn, chinesisches Reisfleisch oder ein Chili-Hot Dog.
Bestens gesättigt begaben wir uns zurück in die Straßen und stöberten in allen erdenklichen Läden herum. Hier hatte ich dann das Glück, in einem Footlocker's wunderbare Turnschuhe für 50 Dollar zu finden, die hierzulande garantiert das Doppelte gekostet hätten. Mit der Freude über diese Errungenschaft traten wir aus dem Laden und wurden unvermittelt aufs Heftigste verblüfft, denn vor uns stand niemand anderes als - die andere Großfamilie!
Nun, diese Begegnung war NOCH unwahrscheinlicher als der Regen im Death Valley, denn jemanden in einer Stadt mit fast zehn Millionen Einwohnern zu treffen grenzt irgendwie schon an Magie!
Nach einem kurzen und fröhlichen Plausch einigten wir uns darauf, daß wir uns nun wirklich nicht mehr begegnen dürften, und wünschten uns gegenseitig eine angenehme Heimreise.
Doch kaum waren wir wieder unter uns, da schmiedeten wir einen teuflischen Plan.........
Wir bummelten leise kichernd weiter durch die Stadt und erkundigten uns dann nach einem Supermarkt, um das nächste Frühstück sicherzustellen. Die freundliche Passantin, die uns Auskunft gab, schickte uns drei oder vier Blocks weiter zu einem Wal Mart, allerdings vermochten wir die Einheit Blocks nicht in Meter umzurechnen und marschierten daher sorglos von hinnen, bis wir eine halbe Stunde später tatsächlich die erste Kühltheke vor uns hatten. - Egal, der Sonnenbrand war uns sowieso sicher!
Wir plünderten den Laden (Zwoeinhalb Liter Sprite? Kein Problem, nimm mit!) und stratzten zur nächsten Bushaltestelle, um allmählich die Heimreise anzutreten, was zwar mehrfaches Umsteigen erforderte, doch waren uns auch hier die Busfahrer eine große Hilfe.
Quelle: Viva Twin Reiseführer
Nun wurde es also Zeit, den diabolischen Plan in die Tat umzusetzen. Wir machten uns stadtfein, traten aus dem Hotel und nahmen einen Shuttlebus zum Abflugterminal der British Airways. Es dauerte keine Viertelstunde, da kamen drei bepackte Gestalten herein...
...und schauten mindestens ebenso verblüfft wie wir am Nachmittag! Wir hatten somit zuletzt gelacht, und um den Spieß nochmals umzudrehen, müßten die drei schon spontan bei uns zuhause auftauchen. - Äh, habe ich jetzt zuviel gesagt?
Wir hatten hier aber noch mehr zu tun, denn nach dem trostlosen Hinflug wollten wir wenigstens auf dem Weg nach Hause vernünftige Plätze haben. Das Mädel am Schalter schaute mich zwar an, als hätte ich nach kostenlosen Massagen an Bord gefragt, doch konnten wir uns auf Plätze weit hinter den Tragflächen freuen. Daß wir die Hälfte des Fluges verpennen würden, hatten wir an dieser Stelle irgendwie nicht bedacht.
Dieser Abend, stellten wir fest, war weit weniger deprimierend als sein Vorgänger. Jenes lag mit Sicherheit auch daran, daß wir nun die Erfahrung gemacht hatten, nicht vollends hilflos und verloren in einem fremden fernen Land zu sein. Im Gegenteil, wir hatten uns auf Anhieb doch recht anständig geschlagen, und so beschlossen wir, am folgenden Tag erneut auf den Bus zurückzugreifen (Den ursprünglichen Gedanken, uns ein Auto zu mieten, hatten wir längst aufgegeben) und uns nach Downtown L. A. befördern zu lassen.
O.K., was blieb zu tun? Richtig: Pool. An diesem denkwürdigen Abend gelang es mir sogar, meine Eltern dazu zu bewegen, sich durchwhirlen zu lassen. Deren Erkenntnis, das hätte man ja eigentlich auch schon früher tun können, kam irgendwie ein wenig spät...
;-)
Die Route dieses Tages: